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Slumparade. Eine Exstallation

Die Stadt München hat zwei Wochen vor Eröffnung eine an die Bundesgartenschau grenzende, intakte Siedlung ehemaliger Obdachloser zerstört. Dieser Imagepolitik setzen wir uns entgegen.

An der Außengrenze, dem Grenzzaun zur Buga entsteht ein prekärer Bau. Zwei Monate, die Dauer der Ausstellung in lothringer13 lebe ich dort. Das Material hinten abreissen und vorn wieder anbauen: so wandert die Exstallation an der Aussengrenze um die Bundesgartenschau herum. Kartoffeln anbauen, Videos drehen, Du kannst den Forschungsstand live über Internet verfolgen. Peter und die anderen Obdachlosen unter der Wittelsbacher Brücke geben praktische Tips.

Nachtrag: am 14/06/05 wurde die Exstallation von der Bundesgartenschau in meiner Abwesenheit über Nacht zerstört und entfernt, das gesamte Material und meine persönlichen Gegenstände weggeschafft. Die Geschäftsführerin sagt: „Das entspricht nicht unseren ästhetischen Kriterien, und die Besucher werden verunsichert!“

Gespräch mit Piet Nieder am 28/05/05:
„(...)Das Wagnis hat  in Architektur und Landschaftsarchitektur, keinen Stellenwert. Dies wäre auch ein Kriterium von Natur: es gibt Mutationen, und Wagnisse, die sich selbst regulieren. Ja, aber gibt es nicht auch einfach Darstellungsschwierigkeiten im Entwurfprozess?  -im Gegensatz zur Architektur wo es Anforderungen gibt, die relativ eindeutig festzuhalten sind auf 2D- und 3D-Medien. Das gibt es in der Landschaftsarchitektur nicht. Aber es gibt, du hast mir das erzählt: ein Architekt, der die Samen nur so ausstreut. Im Couvent de la Tourette von Le Corbusier ist das doch so! Diese Art von Landschaftsplanung ging nicht vom Architekt aus, sondern von den Benutzern! Wobei die das hier wunderbar geschafft haben! Sieht wunderbar aus. Man kann da gar nicht entscheiden, ob das überhaupt planerisch war oder ob es eine Art Freizügigkeit des Handelns war. Vielleicht könnte man mal ein Computerprogramm entwickeln, in dem man Pflanzenstrukturen oder Wachstumsformeln, ich denke da auch an Mario Merz wie heißt das die Fibonacci-Reihe, sich im Computerprogramm entwickeln, parallel zur Natur. Die Regeln kann man relativ angleichen. Es reicht, die Orte festzustellen, wo eine Pflanze wächst. Vorsicht! Die Seilbahn stellt in 15 Minuten ihren Dienst ein!! Danke für Ihren Aufenthalt auf der BUGA!!  Es würde reichen, wenn das Programm schaut, wie welche Pflanzen sich ausbreiten. Das würde auch den Komplex oder Zwang der Landschaftsarchitekten auflösen, unbedingt gestalten zu müssen.  Die Landschaftsarchitekten wären dann vielmehr die Ermöglicher von Freiheit, als immer diese Peinlichkeit, in den begrenzten Ideen der Planer umfangen zu sein. Eher Zulasser, Ermöglicher von Freiheit, als die Eingrenzung derer Elemente. Aber Freiheit ist nur eine Frage des Willens! Wenn man es dann noch Planung nennen will. Sich danach richten, hieße Organisieren von Systemen, die sich selbst organisieren. Freiheit, dort wo wir es wollen. Wobei sie bisher das System der Freiheit und Komplexität der Natur so weit eingegrenzt haben, dass sie konsumierbar wird – konsumierbar... damit meine ich, dass man nicht herausgefordert wird und einen Umgang mit der Welt entwerfen muss. Im Dschungel oder so gibt es halt tatsächliche Begegnungen, die einen als ganzen Menschen herausfordern.“